Das müssen Händler wissen

Handelskrieg hinter der Chinesischen Mauer

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Schon erstaunlich, wie viele Menschen sich auch außerhalb des Supply-Chain-Managements heutzutage mit dem Thema Welthandel auseinandersetzen – oft jedoch aus fraglichen Beweggründen. Der aktuelle Handelskrieg zwischen den USA und China ist international in den Medien in aller Munde, und Unternehmen, die weltweit Waren umschlagen, bekommen dessen Auswirkungen zu spüren. Bei all dem Gerede über Zölle sind die dramatischen Änderungen von Vorschriften in China jedoch so gut wie unbeachtet geblieben. Diese haben genauso viel Bedeutung und Einfluss auf den Welthandel. Den meisten Spediteuren ist das aber noch nicht bewusst.

Dabei ist es heute wahrscheinlich wichtiger denn je, sich mit geopolitischen Themen auszukennen, die die Entwicklungsrichtung des Welthandels und auch das Verhängen von Straf- und Vergeltungszöllen beeinflussen. Unternehmen sollten sich darüber klar werden, wie sie auf diese Entwicklungen reagieren wollen, und sich auch schon auf weitere potenzielle Veränderungen einstellen. Dies gilt insbesondere für diejenigen, die Handelsbeziehungen zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, also zu China, unterhalten.

Die chinesische Regierung lehnt sich nämlich nicht einfach entspannt zurück und spielt Zoll-Schach mit Präsident Trump. Hinter den Kulissen – beziehungsweise hinter der Chinesischen Mauer – geschieht deutlich mehr, als man zunächst glauben würde. Im März 2018 stimmte der 13. Nationale Volkskongress der Volksrepublik China offiziell dem Vorschlag des Staatsrates zu, zahlreiche chinesische Regierungsbehörden umfassend zu reformieren. Ein besonderes Augenmerk galt dabei den Behörden, die sich mit Import- und Exportvorgängen befassen. Dieses Umstrukturierungsprogramm vereinfachte Vorgänge bzw. legte Behörden zusammen, um so die Arbeit besser und effizienter zu gestalten. Die Regierung möchte damit langfristig ein allgemein günstigeres Wirtschaftsumfeld schaffen, was insbesondere Zollabfertigung, Maßnahmen des Marktzugangs im Zusammenhang mit Produktqualität sowie das Investitionsumfeld für Unternehmen mit ausländischem Kapital angeht.

Allgemeine Zollverwaltung der Volksrepublik China

Im Anschluss an die Abstimmung kündigte die Allgemeine Zollverwaltung (General Administration of Customs, GAC) der Volksrepublik China an, 71 Vorschriften im Bereich der Zollüberwachung überarbeiten und zwei ganz abschaffen zu wollen. Zur Einhaltung der neuen Regelungen wird also eine massive Umstrukturierung von Import- und Exportaktivitäten sowie von Compliance-Programmen im Bereich des Handels nötig. Hier nur ein kurzer Überblick über einige der Veränderungen, die auf Spediteure mit Lieferungen nach und aus China zukommen:

  • Die sogenannte Behörde für Inspektion und Quarantäne (China Inspection and Quarantine, CIQ) wird mit den chinesischen Zollbehörden zusammengelegt: Diese Umstrukturierung führt dazu, dass die physische Warenkontrolle durch die CIQ nun auch komplett unter dem Dach der Chinesischen Zollaufsicht stattfindet. Das wiederum heißt, dass die Zollaufsicht für die Zulassungsverfahren sowie die Besteuerung aller Ein- und Ausfuhren verantwortlich ist. 
  • Eine neue zentrale Anlaufstelle mit einer Erklärung, die sowohl für die Zollaufsicht als auch die CIQ gilt: Spediteure können ein neues Portal nutzen, das als einzige Anlaufstelle für die Abgabe der Zollerklärung sowie der Daten zur physischen Warenkontrolle fungiert. Damit wird die Hafenabfertigung effizienter. Diese neuen Anforderungen für die Einreichung der Unterlagen müssen jedoch natürlich in die aktuellen Prozesse und Systeme integriert werden.
  • Neue 13-stellige Warennummer aus HS-Code (auch Zolltarifnummer genannt) plus dreistelligem CIQ-Code: Ab 1. August 2018 gilt statt dem früheren 10-stelligen HS-Code eine neue chinesische Zollnummer bzw. ein neuer HS-Code mit 13 Stellen. Bei den ersten 8 Stellen handelt es sich um die Waren-HS-Nummer für „Einfuhr- und Ausfuhrzölle der Volksrepublik China“, die Stellen 9 und 10 sind zusätzlichen Zollüberwachungsnummern vorbehalten, und die Stellen 11 bis 13 stehen für zusätzliche Inspektions- und Quarantänenummern. Diese neue Entwicklung ist beispielhaft für die Zusammenlegung der Arbeit der Zollbehörden und der CIQ.
  • Mehr als 20 neue Parameter beim Ausfüllen der Erklärungen: Zusätzliche Anforderungen bei den Zoll- und Quarantäneerklärungen sorgen dafür, dass Unternehmen sich stärker mit Compliance-Standards in den Bereichen Zoll und Handel für die Ausfuhr vor und nach Freigabe der Ware auseinandersetzen müssen.
  • Golden-Gate-II-Prozess und System für das verarbeitende Gewerbe: Mit der geplanten Umsetzung des sogenannten Golden-Gate-II-Systems bis Ende 2018 ziehen die chinesischen Zollbehörden auch die Überwachung des Handels im Bereich des verarbeitenden Gewerbes (Processing Trade) – bis hin zu den Teilenummern – neu auf, mit zusätzlichen Optionen für die Konformität mit dem sogenannten „Processing Trade Goods Handbook“. Unternehmen, die im Bereich des verarbeitenden Gewerbes sowohl innerhalb als auch außerhalb der zollfreien Zonen (Bonded Zones) aktiv sind, sollten sich daher auf Upgrades beim „Process Management System“ und beim „China Trade Management System“ einstellen, denn nur so können die deutlich strengeren Compliance-Anforderungen für Golden Gate II erfüllt werden.
  • Veränderungen bei Programmen zur AEO-Zertifizierung und zur Self-Compliance: Seit 2016 haben circa 3.000 Unternehmen, die im Bereich des Warentransports über die chinesische Grenze tätig sind, am neuen Advanced-Certified-Enterprises-Programm (ACE) teilgenommen, das ähnlich funktioniert wie die AEO-Programme (Authorized Economic Operator bzw. zugelassener Wirtschaftsbeteiligter) in anderen Ländern. Zertifizierten Unternehmen werden von den chinesischen Zollbehörden und anderen staatliche Stellen bis zu 49 Vereinfachungsmaßnahmen eingeräumt. So kann die Verschiffung in den Häfen schneller und mit weniger Kontrollen durchgeführt werden. Im Vergleich zur früheren Vorgehensweise ist eine der bedeutendsten Veränderungen bei den neuen Vorschriften die weitere Interpretation und Differenzierung zwischen den verschiedenen „Glaubwürdigkeits-Rankings“. Im Durchschnitt kommt es bei Unternehmen im ACE-Programm zu etwa 50 % weniger Kontrollen als bei anderen Spediteuren. Eine weitere Neuerung gibt es bei der freiwilligen Offenlegung von Fehlverhalten – hier steigt die maximale Strafgebühr vor einer automatischen Herabstufung in der Glaubwürdigkeitsbewertung von 5.000 RMB auf 50.000 RMB.

Der internationale Handel mit China war schon immer schwierig und hochgradig komplex, da die verschiedenen Regionen unterschiedliche Vorschriften anwenden. Im aktuellen Handelsumfeld sind geschäftliche Beziehungen zu China von einer gewissen Unstetigkeit geprägt – und so wird es wohl auf absehbare Zeit auch bleiben.

China Trade Management

Mit dem China Trade Management von Amber Road erhalten Unternehmen die Möglichkeit, die Chinesische Mauer zu überwinden, indem Einfuhr- und Ausfuhrprozesse für das China-Geschäft automatisiert werden. Unternehmen können so die Compliance-Anforderungen für den Handel im Allgemeinen und den Handel im verarbeitenden Gewerbe erfüllen, Kosten senken und die Effizienz innerhalb der Lieferkette verbessern. Das System bietet rechtzeitige Updates zu neuen Vorschriften, sodass Einfuhr- und Ausfuhraktivitäten ohne Unterbrechung fortgeführt werden können. Dies ist insbesondere wichtig, da es in China häufig zu Änderungen der Vorschriften kommt – die hier vorgestellten Neuerungen werden sicherlich nicht die letzten sein. Im Rahmen einer umfassenden Plattform für das Global Trade Management (GTM) können Unternehmen die Abläufe innerhalb ihrer Lieferkette im Hinblick auf Effizienz, Risikominimierung und erhöhte Flexibilität verbessern und sich so den Veränderungen anpassen.

Während der Handelskonflikt zwischen China und den USA Lieferketten bereits nachteilig beeinflusst, sehen sich Import-/Export-Unternehmen in beiden Ländern mit Herausforderungen konfrontiert, die über simple Zollerhöhungen hinausgehen. Zusätzliche oder neue einzureichende Unterlagen, Daten und Prozesse können selbst innerhalb einer perfekt eingespielten Lieferkette jederzeit Sand ins Getriebe streuen. Hinter der Chinesischen Mauer spielt sich so einiges ab, und jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um bei Ihren Abläufen Veränderungen vorzunehmen.