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Logistikprozesse schaffen Mehrwert und können Wettbewerbsvorteil sein

Grafik Logistikprozesse

Was ist Logistikmanagement?

Dieser Begriff befasst sich mit der aktiven Gestaltung der Waren- und Güterströme. Die Logistikprozesse beginnen im besten Fall bei der Bestellung bzw. dem Kommunizieren der Liefertermine oder Lieferzeitfenster an die Lieferanten. Ab dem Wareneingang werden die einzelnen Logistikschritte ziemlich kompliziert.

Was gehört alles dazu?

Die Logistikprozesse und die damit verbundenen Entscheidungen sind extrem zeitkritisch. Das Nicht-Vorhandensein von Waren oder Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen können einen Flaschenhals bei der betrieblichen Leistungserstellung entstehen lassen. Auf der anderen Seite sind Logistikprozesse natürlich sehr kostenintensiv, weshalb Logistikprozesse optimieren ein Schritt zu noch mehr Unternehmenserfolg sein kann.

Das Management der Logistikprozesse gliedert sich in folgende Teilaufgaben:

1. Besondere Anforderungen an Lagerung und Transport von Produkten

Bereits ab dem Waren- oder Rohstoffeingang sollten die Logistikprozesse so aufgebaut werden, dass die hohe Qualität der Ware beibehalten bzw. gesichert werden kann. Denken Sie dabei an unterschiedliche Temperaturzonen beispielsweise bei Frischware (Tiefkühlware, zu kühlende Ware, Normaltemperatur-Ware). Damit kann dafür gesorgt werden werden, dass die Waren bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum genutzt werden können und nur wenig Ware verdirbt. Und damit eine Wertberichtigung vorgenommen werden müsste.

Die Logistikprozesse müssen zusätzlich die gesetzlichen Bestimmungen zur Arbeitssicherheit und zum Gefahrgut-Transport berücksichtigen. So gibt es für bestimmte Warengruppen Höchstmengen pro LKW und Transport, auch die Aufbewahrung muss in besonders gesicherten Räumlichkeiten erfolgen.

2. Prognose des zukünftigen Bedarfs durch Rückmeldungen der Bedarfsträger und rechtzeitige Nachdisposition

Logistikprozesse können - wie das Beispiel des größten Online-Händlers der Welt zeigt - ein echter Wettbewerbsvorteil sein. Insbesondere bei einer Vielzahl von Artikeln oder saisonalen Schwankungen müssen die Logistikprozesse immer abwägen wie viele Artikel an welchem Zwischenlager verfügbar sein sollen und wann die Lager oder auch Filialen "nachbefüllt" werden sollen. Etwaige verlorene Umsätze bei Nicht-Verfügbarkeit müssen abgewogen werden gegen Zusatzkosten der Logistik und Warenbestandshaltung.

3.Schaffung von stabilen Logistikketten inkl. Umleitungen

Die Logistikprozesse zwischen Lagern und Produktionsstätten oder Outlets müssen sowohl im Normalbetrieb funktionieren, als auch möglichst robust gegenüber Störungen und externen Schocks sein. Ähnlich wie beim Notfallmanagement für IT-Anlagen oder Prozesse sollte eine ausgeklügelte Abbildung der Loigistikprozesse vorab Notfallpläne für den Ausfall einzelner Verbindungen oder Verkehrsmittel enthalten.

die Störungen können dabei aus dem wirtschaftlichen Bereich (Konkurs oder Nicht-Bereitschaft einzelner Spediteure) stammen oder aber extern verursacht werden. Wie beispielsweise die Sperrung verschiedener Verkehrswege oder Routen – mit den entsprechenden Lieferverzögerungen.

Logistikprozesse im Zeichen des Wandels der Kundenansprüche

Das Management der Logistikprozesse hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich verändert und ist viel schneller und aufwändiger geworden als in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die Einführung von standardisierten Gütern oder auch den Artikelnbummern (EAN) ermöglichte eine schneller Erfassung der Warenbestände und auch Betrachtung der Umsätze fast in Echtzeit.

Der nächste Quantensprung bestand in der Öffnung der früher als absolut vertraulich eingestuften Logistik- bzw. Bestandsinformation gegenüber den Kunden. Im Bestellvorgang für Waren - auch niedrigerer Preisstufen -können die Kunden bei vielen modernen Einzelhandelsunternehmen eine grobe Bestandsinformation abrufen. Zwar werden die Logistikprozesse bzw. deren Details nach außen noch abgeschirmt. Dennoch können die Kunden einsehen welche Artikel in einer Filiale verfügbar sind und welche nicht.

Mit dieser Abrufmöglichkeit bei den innovativen Unternehmen steigen die Anforderungen an die IT enorm. Die Logistik-EDV muss unterschiedliche Berechtigungsgrade und Rollen abbilden. Kunden und Interessenten sehen nur eine grobe Annäherung an den Bestand ohne die im Lager befindliche Stückzahl, die eigenen Mitarbeiter müssen Zugriff auf Detailinformationen haben.

Die Logistikprozesse müssen zudem schnell ablaufen, da die Kunden nicht mehrere Sekunden auf eine Antwort des Systems warten wollen oder können, sondern von den Marktführern enorm verwöhnt werden. Deren Logistikprozesse sind so modern, dass sie oftmals sogar den Bestand ("mehr als 20 Stück", "nur noch 3 Stück -jetzt bestellen um Enttäuschungen zu vermeiden") angeben und sogar eine Information, ob weitere Waren nachbestellt worden sind.

Logistikprozesse sollten auch Detailangaben zu einzelnen Chargen verarbeiten können

Eine weitere Modernisierung der Logistikprozesse, die durch günstigeren Speicherplatz möglich wurde, ist die Verarbeitung weiterer individueller Daten zu einzelnen Chargen. So ist für das Bestands- und Preismanagement von außerordentlicher Bedeutung, dass beispielsweise Mindesthaltbarkeitsdaten und ähnliche chargenspezifische Informationen mitverarbeitet werden können.

Zur Vermeidung eines Abverkaufs mit einem hohen Rabatt und damit einhergehend auch einer weitgehenden Reduzierung der Bruttomarge würde es sich empfehlen, Chargen zwischen Verkaufsstellen oder Verbrauchsstellen umlagern zu können und die dazugehörigen Logistikprozesse auch möglichst strukturiert und automatisiert ablaufen zu lassen.

Die Logistikprozesse könnten zudem auch eine Variable bzw. ein Merkmal für Saisonartikel enthalten, die nur bis zu einem bestimmten Datum nachbestellt werden. Weil das neue Bestandsziel nach einem bestimmten Datum dann der "0-Bestand" ist.

Logistikprozesse als zunehmend wertvoller Bestandteil der Leistungserstellung

Die Bedeutung der Logistikprozesse geht inzwischen weit über die Sicherung der Leistungsfähigkeit des Unternehmens hinaus. Die neue Logistikprozesse Definition erfordert eine Erweiterung des Funktionsumfangs um eine Kundenschnittstelle mit einem Zugriff auf einen Teil der Daten. Logistikprozesse unterstützen zunehmend auch bei der Berechnung immer exakter festgelegter Liefertermine bis hin zu Zeitfenstern von einer bis zwei Stunden gegenüber den Endverbrauchern.

Deshalb steigt die Bedeutung stetig an, eine perfekte Logistik kann den Unternehmenswert erheblich erhöhen.

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